German Book Prize (Deutscher Buchpreis)
Mittagsfrau, Die
This epic novel follows a woman’s life from the years before the First World War through the interwar period and traces its impact on her children. It carefully explores motherhood, abandonment and forgiveness, and the deep damage caused by war.
Work Information
A mother-child rupture set within the long sweep of history.
A German novelist acclaimed for fiction about women’s destinies and family ruptures in the 20th century. She won the 2007 German Book Prize for Die Mittagsfrau.
Book Information
- Publisher
- S Fischer Verlag GmbH
- Published
- 2007-01-01
- Language
- ドイツ語
- ISBN-13
- 9783100226006
- ISBN-10
- 3100226003
- Price
- 9671 JPY
- Category
- 洋書/Romance
Amazon.co.jp: Mittagsfrau, Die : Franck, Julia: 洋書
Reviews
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Selten hat mich ein Buch von Beginn an so traurig gestimmt wie Julia Francks "Die Mittagsfrau". Über dem Buch liegt eine depressive und schwermütige Stimmung, die den Leser langsam einspinnt und in Helenes grauer sprachloser Welt gefangen nimmt. Julia Franck beginnt ihr Buch mit einem Prolog, der den Leser schonungslos mit der inneren Kälte der Protagonistin Helene konfrontiert und schockt. Sie lässt ihren Sohn Peter alleine auf einer Bank am Bahnhof in Stettin zurück und verschwindet aus seinem Leben. Im folgenden entwickelt die Autorin die Geschichte jener unglaublichen und unverständlichen Tat aus der Rückschau auf Helenes Leben. Die Legende, dass die Mittagsfrau Menschen um die Mittagszeit besucht und jene vergiftet, die ihr nicht die Zeit widmen, um ihr eine Geschichte zu erzählen, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Nur dort, wo die Sprache Raum hat und wo Sprachlosigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen keinen Platz einimmt, bleibt die Mittagsfrau erfolglos und kann nichts ausrichten. Das hat Helene schon in ihrer eigenen Kindheit erfahren. Solange sie in der Druckerei ihres Vaters helfen darf, solange sie mit ihrem Vater und dem angestellten Drucker erzählen kann,ist ihre kleine überschaubare Kinder-Welt in Ordnung. Doch der Vater zieht in den Krieg. Helene und ihre Schwester Martha werden das erste Mal Gefangene der Mittagsfrau- in der Gestalt ihrer eigenen Mutter, die langsam das Gift des Wahnsinns in die Mädchen träufelt. Endlich nach dem Tod des Vaters gelingt den beiden Mädchen die Flucht nach Berlin, weg von der irren Mutter hin zur drogensüchtigen Tante Fanny. Martha wird in ihren Bann gezogen,lässt sich blenden von der schönen Scheinwelt und wird ebenfalls drogenabhängig. Wieder gelingt es der Mittagsfrau, das Leben der Mädchen zu lähmen. Die Sprachlosigkeit zwischen den Schwestern packt zu und die einst so innig Verbundenen driften auseinander. Wieder gelingt es Helene, sich aus den Fängen zu befreien. Diesmal ist es ein junger Student, Carl Wertheimer, in den sich Helene verliebt. Die Sprache, Bücher, Gedichte und Gespräche halten wieder Einzug in ihr Leben. Kurz vor der Hochzeit schlägt die Mittagsfrau wieder erbarmungslos zu. Carl stirbt bei einem Unfall. Von nun an ist Helene innerlich erstarrt und ihr Herz erkaltet. Die Sprachlosigkeit, Gleichgütligkeit und Gefühlskälte treibt sie schließlich zu dem Schritt, der den Leser im Prolog so schockt und der auch im Epilog nicht aufgelöst wird. Julia Franck ist ein meisterhaftes Buch gelungen. Mit einer beeindruckend starken Sprache bringt sie das unaussprechliche zum Ausdruck, ohne zu entschuldigen zeigt sie die schonungslose Wahrheit. Ihr gelingt es, dass der Leser einen solchen Schritt nachvollziehen kann und denoch erstarrt er vor der tatsächlichen Handlung. Die Legende der Mittagsfrau ist ein Sinnbild für das Leben an sich, das Buch ein Buch gegen die Macht der Sprachlosigkeit. Eines der besten Bücher der letzten Jahre für mich, aber auch eines, das den Leser viel Zeit und Kraft kostet.
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Ein herzzerreißendes Buch mit einer wunderbaren ergreifenden Sprache. Im Prolog schildert ein kleiner Junge seine Liebe zu seiner Mutter, die sehr distanziert mit ihrem Sohn umgeht und ihn schließlich alleine auf einem Bahnhof sitzen lässt. Man mag kaum weiterlesen. Eine Romanfigur, die man nur hassen kann ' wie grausam. Dann beginnt der Roman mit der eigenen Kindheit dieser Figur. Und es kommt noch schlimmer. Eine völlig durchgedrehte Mutter muss der Leser und die Hauptperson Helene ertragen und einen Vater, der diese Hexe abgöttisch liebt. Das beschriebene Leben ist so unerträglich, dass man sich öfters sagen muss: 'Dies ist eine fiktive Geschichte, sie ist nicht real.' Doch Kompliment an Julia Franck, sie schildert das Unfassbare real, glaubhaft und in sehr poetischen Worten. Der Vater muss in den Krieg, die Mutter will ihn nicht gehen lassen. Als er Jahre später invalid heimkehrt, will sie ihn nicht sehen. Sehr bizarr und ergreifend wird das abgeschottete Leben der egozentrischen Mutter in einer voll gestopften Kammer beschrieben. Alle Verantwortung liegt auf den Töchtern Martha und Helene, die sich trösten und beistehen ' eine lesbische Neigung wird angedeutet, insbesondere bei Martha und ihrer Freundin Leontine. Leontine heiratet nach Berlin, zwei Jahre später folgen die Schwestern. Sie wohnen bei ihrer Tante Fanny, die in der angesagten Künstlerszene Berlins in den 20'er Jahren lebt. Die Landpomeranzen, besonders die acht Jahre ältere Martha, leben sich schnell ein. Der erste Abend Helenes in der weißen Maus lässt den Leser in diese Welt eintauchen. Treffend und sehr einfühlsam beschreibt Julia Franck das Leben in den Nachtclubs, Drogenszenerie und Helenes erste große Liebe. Es sind glückliche Seiten im Buch bis ein Drama passiert. Helene zieht sich vollkommen zurück. Nach drei Jahren erscheint Wilhelm, ist von Helene entzückt und bemüht sich sehr um sie. Er besucht sogar mit ihr gemeinsam die Mutter, die inzwischen in einem Lazarett lebt. Er besorgt auch neue Papiere für die Halbjüdin Helene, damit sie heiraten können. Doch als Wilhelm in der Hochzeitsnacht klar wird, dass seine 'reine Blume' schon gepflückt wurde, wandelt er sich, die Geschichte und Helene. Der Nationalsozialismus bestimmt den Alltag, Helene wird immer verbitterter, stürzt sich in die Arbeit und ist nicht fähig, den Sohn, den sie von Wilhelm empfangen hat, zu lieben. Sie geht zu ihrer Schwester und lässt das Kind allein. Dies Ende bleibt für mich als Mutter unbegreiflich. Julia Franck, die den Leser so wunderbar in Szenen und Atmosphären eintauchen lässt, vermag die Psyche, die zu dieser Handlung führte, nicht verständlich zu machen.
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Der Inhalt war okay, ich kann aber nicht über das (fehlende) Format hinweg sehen. Absätze sowie Anführungszeichen fehlen völlig, was den Lesefluss erheblich stört. Wer gerade spricht, ist nicht immer klar und plötzlich befindet man sich in einem neuen Kapitel, das in keiner Weise als solches gekennzeichnet ist. Höchst ärgerlich und leider hinderlich, ein Einfühlen wird zusätzlich erschwert. Das Ende des Buches ist mir leider zu gehetzt. Man hat diese Figuren jahrelang begleitet und bekommt nur ein paar Brocken hingeworfen, was mit ihnen geschehen ist, wenn überhaupt. Ein unbefriedigendes Leseerlebnis. Dabei fand ich die Prämisse sehr interessant. Die Mittagsfrau wird leider auch nur beiläufig erwähnt und in abgeschwächter Form.
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Mittlerweile wurde in den Medien sehr viel über "Die Mittagsfrau" geschrieben, etliche Rezensionen kluger Menschen, da werde ich mich auf mein persönliches Empfinden bei der Lektüre dieses außergewöhnlichen Buches beschränken. Die Inhaltsbeschreibung steht auf dieser Seite weiter oben unter "Produktbeschreibung" der Amazon-Redaktion. Die Mittagsfrau als Gestalt der slawischen Sagenwelt raubt den Menschen ihren Verstand oder tötet sie. Thematisch kenne ich kein zweites Buch dieser Art, ein Buch über Frauen, so doch kein Frauenbuch, in dem zwar Männer eher von ihren schlechten oder hässlichen Seiten beschrieben werden aber nicht ohne eine Prise Humor. Es werden Tabus dieser Zeit (z.B. vorehelicher Sex, gleichgeschlechtliche Liebe, Bildungschancen für Frauen) genauso sicher gebrochen wie das damalige (und heutige?) Frauenbild sukzessive hinterfragt wird. Besonders fesselnd erlebte ich die sprachliche Virtuosität der Autorin. Neben wunderbar poetischen Bildern rührender, ja unschuldiger und sinnlicher Zärtlichkeit, findest du genauso die beklemmende Kälte eines leidenden Inneren, einer gefangenen Seele, die mich als Leser irritiert, die aber keinesfalls bewertend daherkommt. Diesen Spagat ambivalenter Weiblichkeit finde ich ganz besonders gelungen. Als Mann nehme ich die seelischen Tiefen einer Frau sicher nur von außen wahr, als Mensch ahne ich sie wie jeder andere empfindsame Mensch auch. Es gibt kein Gut und Böse in diesem Roman, es gibt aber die Wahrheit einer Frau in einer schrecklich frauenfeindlichen Zeit - und ich fand mögliche Antworten auf die Frage, warum ein Mensch der wird, der er ist. Georg B. Mrozek
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Mir hat das Buch sehr gefallen: Die Geschichte ebenso wie die bildreiche Sprache von Julia Franck. In einer in "Der SPIEGEL" erschienenen Kritik sieht Matthias Schreiber die Hauptfigur Helene als die düstere Lichtgestalt der wendischen Sage, und schreibt: "Die Mittagsfrau Helene ist warm und kalt, hell und dunkel, eine Lichtgestalt mit schwarzer Seele". Obwohl Helene sowohl ihre psychisch kranke Mutter zurücklässt und später ihren 8jährigen Sohn, hat sie meiner Meinung nach keine schwarze Seele. Die Lebensumstände zwingen sie dazu, zäh zu sein und zu funktionieren. Den plötzlichen Tod ihres Verlobten, den ungeliebten Nazi-Ehemann, von dem sie abhängig ist, weil er sie durch gefälschte Papiere vor der Judenverfolgung rettete, den Schrecken des zweiten Weltkrieges - all das lässt sich nur aushalten, indem sie sich in pausenlose Arbeit flüchtet und zunehmend verstummt. Eher kommt es mir so vor, als wäre nicht Helene die Mittagsfrau, sondern als wäre sie, die pausenlos arbeitet und schweigt, von dieser ausgelöscht worden: Gemäß der wendischen Sage erscheint die Mittagsfrau denjenigen, die mittags die Feldarbeit nicht ruhen lassen. Plötzlich steht sie weiß gekleidet, mit einer Sichel in der Hand vor den Arbeitern. Gelingt es diesen nun, die Mittagsfrau in ein einstündiges Gespräch um das Spinnen von Flachs zu verwickeln, geschieht ihnen nichts. Andernfalls werden sie bestraft oder getötet. Helene Würsich wird eigentlich mit der Ehe, den neuen, gefälschten Papieren und einer neuen Identität ausgelöscht. Als Alice hat sie der Welt nichts mehr mitzuteilen. Während der Schwangerschaft durch den ungeliebten Ehemann erlaubt sich Helene einen kleinen Traum, nämlich den von einem Mädchen - einer Mischung aus ihrer Schwester und deren lesbischer Freundin - jenen einzigen beiden Frauen, denen Helene gefühlsmäßig sehr nahe steht und die sie während des zweiten Weltkrieges, wo sie teilweise gar keinen Kontakt zu ihnen hat, vermißt. Dieser Traum zerplatzt mit der Geburt eines Sohnes, zu dem sie nie eine gefühlsmäßige Bindung aufzubauen vermochte. Für mich war das nachvollziehbar und kein Zeichen einer schwarzen Seele oder eines kalten Herzens: Schon der Ehemann steht stellvertretend für viele Männer, die in dieser Zeit verabscheuungswürdige Dinge getan haben: Angefangen von der Behandlung der eigenen Frau und Frauen im allgemeinen, der Judenverfolgung bis hin zu den Vergewaltigungen durch die Besetzer am Ende des Krieges. Einem Sohn, noch dazu einem Sohn von diesem Mann konnte Helene allenfalls zwiespältige Gefühle entgegen bringen, die sie eines Tages dazu zwangen, den 8jährigen Peter am Bahnsteig zurück zu lassen.